Volksbank Kaiserslautern Zurück zur Bankenauswahl
image
Sam
Sam

Wir bauen einen Zoo

Eine Schulklasse baut einen Minizoo.

Zurück zur Übersicht

Was brauchen Tiere, um sich in einem Zoo möglichst wohlzufühlen? Das will eine Schulklasse im Zoo in Hannover herausfinden. Die Mädchen und Jungen wagen auch ein ungewöhnliches Experiment: Sie bauen einen Minizoo mit mehreren Gehegen.

Gemeinsam wie in freier Natur

„Was fällt euch hier auf?“ Eigentlich ist es eine einfache Frage, die Stefan Zantrop den fast 30 Schüler*innen der Schillerschule stellt. Sie sind gerade an einem Zoogehege, in dem scheinbar wenig passiert: Unterschiedliche Tiere stehen ruhig da oder laufen herum, knabbern an Blättern und Gräsern, schubbern ihr Fell an Baumstämmen. Manchmal sprintet eines der Tiere los, kommt aber schnell wieder zur Ruhe.

Stefan Zantrop ist Lehrer an der Schillerschule in Hannover und leitet regelmäßig Workshops der Zooschule. Heute zeigt er gemeinsam mit seinem Lehrerkollegen Erwin Bastian der 5. Klasse, was es in den Gehegen des Zoos zu entdecken gibt. Zum Beispiel, dass sich Elenantilopen, Impalas, Gazellen und Zebras einen Lebensraum teilen. Wie in der freien Natur, nur mit weniger Platz. „Viele Tierarten fühlen sich so wohler, als wenn sie in Zoos getrennt gehalten werden.“

Wie gut geht es Tieren im Zoo? Die Mädchen und Jungen finden noch mehr heraus, woran sich das erkennen lässt. Tiere wollen sich beschäftigen! So sollten Gehege mehrere Bereiche mit verwinkelten Stellen und unterschiedlichen Bäumen und Büschen haben. Im Zoo haben die Antilopen viel freie Zeit, weil sie nicht wie in der Wildnis täglich 13 Stunden fressen müssen, um satt zu werden. Antilopen können neun Meter weit und drei Meter hoch springen. Es wäre für sie leicht, aus dem Gehege herauszukommen, wenn sie sich unwohl fühlen. Doch sie sind noch nie ausgebrochen. Wenn ein Zebra gut gelaunt ist, wälzt es sich zum Beispiel gerne im Sand und pflegt so sein Fell. Struppiges, unsauberes Fell deutet dagegen auf eine Krankheit hin. Ein gutes Zeichen ist auch, wenn Tiere im Zoo für Nachwuchs sorgen.

 

Um ein Zoogehege zu bauen, muss man ganz viel über die Tierart wissen: Leben sie in der freien Natur als Einzelgänger oder in Gruppen? Wie viel Platz brauchen sie? Was fressen sie? Wie beschäftigen sie sich gerne? Ich würde mir am liebsten ein echtes Gehege für meine Lieblinstiere Zebras ausdenken.

 Jannek (10)

Wenn stinkig einfach schön ist. Es wird warm! Anders als Antilopen und Zebras vertragen Flusspferde keine Kälte. Deshalb ist ihr Becken mit 24 Grad Celsius warmem Wasser gefüllt. Darin treibt Heu herum: Flusspferde sind Pflanzenfresser, die es sich gerne auch beim Schwimmen gut gehen lassen. Es macht ihnen Spaß, an die Scheibe zu kommen, um Zoobesucher*innen zu betrachten. Die  Schulklasse darf auch in den Innenraum hinter dem Becken, wo sonst die Tierpfleger*innen arbeiten. Uuh, was stinkt hier so? Kot und Urin! Eine Filteranlage saugt das meiste auf. Doch das Wasser soll nie völlig sauber werden. Warum? Flusspferde brauchen diesen Geruch und ein bisschen Kot und Urin im Wasser, um sich wohlzufühlen. Sie orientieren sich nicht nur über das Sehen, sondern auch über das Riechen. Deshalb markieren Flusspferde die Stellen, an denen sie nachts an Land gehen. Dabei setzen sie ihren Kot gezielt ab und verteilen ihn dann durch das Herumwirbeln mit dem Schwanz.

Wenn Flusspferde nachts in den Innenbereich kommen, öffnen die Tierpfleger*innen die Gittertore von außen und auf Knopfdruck. Es wäre gefährlich, die Tore mit der Hand zu bedienen. Schließlich sind Flusspferde Wildtiere mit riesigen Eckzähnen und so schwer wie zwei Autos. Warum ist der Fußboden so rau? Damit die Tiere bei Nässe nicht ausrutschen. Wer ein Gehege baut, sollte auch daran denken.

Heute fand ich toll, dass wir auch hinter die Kulissen schauen konnten. Als normale Zoobesucherin hatte ich keine Ahnung davon, wie viel Arbeit es macht, damit es den Tieren gut geht.

Zoe (10)

Ein Zuhause für wilde Tiere. Bei ihrer kurzen Safari haben die Schüler*innen vieles erfahren, was wichtig ist, damit es Tieren im Zoo gut geht. Jetzt setzen sie ihr Wissen ein und bauen kleine Gehege, die zusammen einen Minizoo ergeben. Aufgeteilt in Gruppen denken sich die Mädchen und Jungen in der Zooschule je ein Zuhause für Giraffen, Zebras, Gorillas, Löwen und Tiger aus. Kieselsteine in den grauen Kästen wären in Wirklichkeit Felsen. Baumrinde, Stöckchen, Blätter oder ein kleiner Napf wären in echten Gehegen hölzerne Unterstände, Bäume, Futter oder eine Wasserstelle.

Ich war schon oft in Zoos. Bisher habe ich mir vor allem die Tiere angesehen. Jetzt werde ich auch darauf achten, wie die Gehege aufgebaut sind, und beobachten, ob sich die Tiere darin wohlfühlen.

Helene (10)

Zebras mit Platz zum Austoben. „Zebras brauchen ganz viel Wasser und Schatten, wenn die Sonne zu heiß wird.“ Drei Mädchen nicken Helene zu. Sie legt in eine Ecke im Gehege der Zebra-Gruppe einen Wassernapf, Stöckchen und Zweige mit Blättern als Schattenspender. Die Mitte des Geheges bleibt frei: „Zebras leben in Herden und sollen Platz zum Laufen und Austoben haben.“ Ein anderes Mädchen streut Stroh in die gegenüberliegende Ecke und lehnt Rindenstücke an den Rand. „Unsere Zebras können sich auf dem weichem Boden ausruhen. Wenn es zu hektisch wird, ziehen sie sich in ihren Unterstand zurück.“ Als das Gehege fertig ist, erklärt die Zebra-Gruppe allen anderen Schüler* innen, welche Gedanken sie sich beim Bau gemacht hat.

Zu Hause habe ich Fische. Als ich anfing, habe ich viel darüber gelesen, was zu einem guten Aquarium gehört und wie ich die Fische am besten füttere und pflege. Eigentlich ist es mit den Tieren im Zoo genauso.

Simon (10)

Giraffenfutter in großer Höhe. Simon ist zufrieden. Mit einem kleinen Netz bindet er Blätter an ein Stöckchen und steckt das Ganze in den tiefen Sand. „Das ist ein Baum mit einem Futterkorb.“ Die Giraffen-Gruppe hat es mit Tieren zu tun, die mehr als fünf Meter hoch werden und ihr Lieblingsfutter gerne aufrecht stehend fressen. Simon und seine Klassenkameraden denken auch an eine Wasserstelle, einen schattigen Platz und weichen Untergrund zum Schlafen. „Was bedeutet die Steinplatte am Rand?“, fragt Lehrer Erwin Bastian, als Simons Gruppe ihr Gehege vor der ganzen Klasse präsentiert. „Das ist eine Aussichtsplattform für Zoobesucher“, sagt Simon. „Wir haben sie so ausgerichtet, dass die Giraffen von den Menschen möglichst wenig gestört werden.“

 

 

 

 

 

 

Fotos: Gerhard Bayer, Zoo Hannover