Wissen / Reportage

Rund ums Geld

Wertvolle Metallplättchen

1, 2, 5, 10, 20, 50: Das sind keine Geheimzahlen, sondern die Werte der Cent-Münzen. Dazu kommen noch 1- und 2-Euro-Münzen. In Deutschland gibt es 5 Unternehmen, die im Auftrag des Staates diese Münzen prägen dürfen. PRIMAX schaute sich in Berlin an, wie aus einfachen Metallplättchen wertvolles Geld wird.
1. Wie soll eine Münze aussehen? Wenn sie eine Idee haben, fertigen Künstler entweder eine Zeichnung oder ein größeres Gipsmodell der Münze an. Dann wird die Zeichnung oder das Gipsmodell Millimeter für Millimeter gescannt, also von einem Lichtpunkt abgetastet und in einem Computer abgespeichert. So entsteht ein Bild der Münzenoberfläche, das Fachleute – sogenannte Graveure – am Bildschirm für die Herstellung verfeinern. Eine Fräsmaschine schneidet das Computerbild der Münze rund 20 Stunden lang in eine kurze Metallstange hinein . Das Messer dieser Maschine dreht sich  30.000-mal in der Minute. Am Ende kommt ein Prägestempel heraus – also ein Stempel, mit dem Münzen geprägt werden. Ein Stempel sieht nicht genau wie die Münze aus. Warum? Damit das Motiv später richtig herum zu sehen ist, muss der Stempel alles vertieft zeigen, was auf der Münzoberfläche herausragen soll. Außerdem sind auf dem Stempel alle Bilder und alle Buchstaben spiegelverkehrt.
2. Medaillen darf jeder nach seinem eigenen Geschmack herstellen.
Dagegen wird das Prägen von Münzen staatlich überwacht. Der Grund: Für Medaillen kann man nichts kaufen. Nur Münzen sind offizielle Zahlungsmittel, genau wie Banknoten: Deshalb bestimmt die Deutsche Bundesbank genau, wie Euro- und Cent-Münzen aussehen müssen, und deshalb liefert sie den Münzprägeanstalten bereits fertige Matrizen. Mit diesen Metallstücken lassen sich beliebig viele Prägestempel herstellen. Dazu wird die Matrize in einer Maschine mit großer Kraft auf ein anderes spezielles Metallstück gedrückt. Da sich Prägestempel abnutzen, werden immer wieder neue gebraucht. Matrizen sind so etwas wie die Eltern der Prägestempel.
3. Jeder Prägestempel wird durch ein Mikroskop überprüft, kleinste Unebenheiten werden abgefeilt.
4. Die Metallplättchen, aus denen Münzen werden, heißen Ronden. Beim Prägen werden die Ronden von einem Stempel von oben und einem Stempel von unten und einem Ring drumherum zusammengedrückt. So bekommt die Metalloberfläche die gewünschten Zeichen und Bilder. Der Druck der Stempel ist so groß, als würde das Gewicht eines vollgetankten Flugzeugs mit 300 Passagieren darauf liegen. Eine Prägemaschine stellt pro Minute bis zu 850 Münzen fertig. An einem einzigen Arbeitstag sind das mehr als 400.000 Münzen. In der Berliner Münzprägeanstalt werden in einem Jahr rund 280 Millionen Euro- und Cent-Münzen hergestellt.
5. Die geprägten Münzen werden danach in anderen Maschinen gezählt und automatisch in Papierrollen verpackt.
6. Die Papierrollen kommen dann in Kisten und werden in einem Tresor für kurze Zeit gelagert. Wegen der großen Mengen ist das kein Geldschrank, sondern eine besonders gut gesicherte Halle. Dort holen Geldtransporter der Deutschen Bundesbank die Münzen fast täglich ab und bringen sie zu den Banken in ganz Deutschland – bestimmt auch zur Bank in eurem Ort.

Übrigens: Diebe müssten mit großen Lastwagen und Gabelstaplern kommen. Eine einzige Kiste mit 150.000 Euro in 2-Euro-Münzen wiegt fast 700 Kilogramm.
Fotos: redkon GmbH
August 2010